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Auflage

In der zeitgenössischen Grafik sind im allgemeinen sämtliche Abzüge, die ihren endgültigen Zustand erreicht haben, bezeichnet, d. h., am linken unteren Rand ist die Nummer des Abzugs vor der Auflagenhöhe vermerkt, also z. B. 8/100 (bei einigen Künstlern auch manchmal umgekehrt). Manche notieren auch statt dessen 1-30, was heißt, daß man einen von 30 Abzügen erworben hat. Sind statt der arabischen römische Zahlen angegeben, etwa II/V, handelt es sich in der Regel um einen Vorzugsdruck (vor der Auflage), der meist auf edlerem Papier ausgeführt ist, oder um einen Druck "vor der Schrift".

Letztere können jedoch arabisch nummeriert sein, nämlich, wenn die Auflage "nach der Schrift" nicht signiert worden ist. Mitunter werden von den Steinen oder Platten mehrere Auflagen gedruckt. Ihr Ausweis erfolgt so: II 8/30. Der Sammler weiß dann, daß er ein Blatt der zweiten Auflage besitzt, die auf 30 Abzüge limitiert ist. Steht keine römische Zahl vor der arabischen Nummerierung, handelt es sich um die erste (meist einzige) Auflage. Sind die Blätter weder nummeriert noch anderswie (außer Signatur) näher bezeichnet, sollte festgestellt werden, aus welcher Auflage der Druck stammt.

Oft existiert im eigentlichem Sinne gar keine Auflage, sondern es gibt nur zwei oder drei Abzüge. Die Nummerierung insbesondere die Nummer des Abzugs, sollte nicht überbewertet werden! Wirkliche Bedeutung hat die Abzugsnummer eigentlich nur bei der unverstählten Kaltnadelradierung, weil hier jeder folgende Druck notwendig eine größere Gratabnutzung hervorruft. Bei den anderen Techniken ist, wenn es sich um eine qualifizierte Auflage handelt, ein Druck so gut wie der andere, mögen sich auch die Blätter in ihrer Erscheinungsweise unterscheiden. Die Unterschiede sind dann meist durch die Absicht des Künstlers bedingt, haben also nichts mit der drucktechnischen Qualität zu tun. Etliche Techniken (etwa der Holzstich) erlauben ohnehin eine gleichbleibende Güte der Abzüge. Dem Kenner ist nicht die Nummer des Abzugs entscheidend, sondern die Qualität des Druckes.

Selbstverständlich sollte der Sammler die Höhe der Auflage trotzdem in Erfahrung bringen. Diese richtet sich meist nach der Möglichkeit der Technik und nach den Vorstellungen des Künstlers. Zu Düres und Granachs Zeiten wurden von einem Holzstock Massenauflagen gedruckt. Vom Holzstich und Holzschnitt lassen sich hohe Auflagen oft ohne Qualitätsverlust erzielen, auch vom Kupferstich oder von der verstählten Platte bei der Radierung. Aber viele Techniken vertragen keine hohen Auflagen, weil es die Qualität des Abzugs mindern würde. Besonders bei den komplizierteren (auch Mischverfahren) ist dies der Fall. Jeder Abzug mehr schmälert nicht nur die Schönheit des Druckes, er reduziert, ja er verfälscht oft die in der ästhetischen Struktur zutage tretende ideelle Aussage des Künstlers.

Es geht in der Druckgrafik immer um dei Qualität des einzelnen Abzuges! Ist die Qualität einer Auflage von einhundert oder mehr Exemplaren garantiert, dann kann soviel gedruckt werden, erlauben aber Stein oder Platte nur 5 gültige Abzüge, dann ist ebend dies das Maximum. Wird jedoch mit der Höherbewertung kleiner und kleinster Auflagen ein Kult betrieben, so geschieht das meist aus einer elitären Geisteshaltung - mit dem Wesen der Grafik hat dies dann wohl nichts mehr zu tun.

Ein Sammler alter Grafik muß wissen, daß es Neudrucke gibt, also später vorgenommene Abzüge von den echten Platten. Von Goya tauchen fast ausschließlich Neudrucke auf. Die erste und einzige Ausgabe der Folge "Los caprichos" (80 Radierungen), die zu Lebzeiten Goyas herauskam, aber aus Furcht vor Repressalien nach 2 Tagen aus dem Handel gezogen wurde, erschien 1799. Goya gab 1803 die Platten mit 240 bereits abgezogenen Steinen an die Königliche Chalcographie in Madrid. Neue Ausgaben erschienen 1850, 1869, 1878, 1892 ... - der letzte Neudruck (12. Auflage) kam 1937 heraus. Ähnlich verhielt es sich mit den 33 Radierungen der "Tauromaquia" von 1815, deren 5. Auflage 1922 gedruckt worden ist. Der berühmten Folge "Los desastres de la guerra" (entstanden zwischen 1810 und 1820) erging es nicht anders. Zu Goyas Lebzeiten wurden vermutlich nur 2 komplette Serien abgezogen. Die erste Auflage der 82 Radierungen erschien erst 1863, weitere folgten 1892, 1903, 1906.

Von Künstlern des 20. Jhd. sind Neudrucke seltener, da die meisten Steine und Platten und Stöcke nach einer Auflage unbrauchbar gemacht werden. Museen lassen jedoch zuweilen für ihren Freundeskreis kleine Neudruckauflagen herstellen. Auch für Sammelgemein- schaften ist das Verfahren gelegentlich angewandt worden, so wurden Abzüge von Platten der Käthe Kollwitz durch die Deutsche Bücherstube , Berlin, in Auftrag gegeben, die Kabinettpresse veranlaßte Neudrucke von Radierungen H. Ehmsens und Lithografien J. Hegenbarths. 

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